LOTSENBRÜDERSCHAFT
WISMAR-ROSTOCK-STRALSUND
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Meldungen und Artikel aus
Zeitungen und Zeitschriften über die Arbeit der Lotsenbrüderschaft |
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26.08.2008 Ostsee Zeitung
Bundesweit fehlen 300 Lotsen
Die sieben deutschen Lotsenbrüderschaften an Nord- und Ostsee klagen über
Personalmangel. Seit Anfang dieses Monats ist das veränderte Seelotsgesetz in
Kraft. Es ermöglicht jetzt eine verkürzte Ausbildung zum Lotsen.
Rostock (ddp) Kapitän Christian Subklew ist froh, wenn er seinen
Schreibtisch im „Blauen Turm“ in Warnemünde hin und wieder verlassen und seinen
eigentlichen Beruf ausüben kann. Als amtierender Ältermann der
Seelotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund ist er für die
Interessenvertretung der Lotsen seines Reviers zuständig. Doch so oft er kann,
steigt er selbst an Bord, um zum Beispiel einen 210 Meter langen Schiffsneubau
der Volkswerft Stralsund aus dem Rostocker Hafen zu lotsen. „Man muss immer im
Training bleiben“, sagt er.
Berufspraxis
gehört jedoch zu den geringsten Sorgen, die den Ältermann und seine
Amtskollegen der insgesamt sieben deutschen Seelotsenbrüderschaften derzeit umtreiben:
Im Gegenteil, sie suchen händeringend Nachwuchs, denn sie sind völlig
überlastet.
„In
Deutschland fehlen 300 Lotsen“, klagt Subklew. Besonders schlimm sei es am
Nord-Ostsee- Kanal, dort könnten auf einen Schlag 100 Lotsen eingestellt werden.
„Wir arbeiten am Anschlag“, klingt es aus Kiel von Hans-Hermann Lückert,
Ältermann der Brüderschaft Nord-Ostsee-Kanal II. Dies bestätigt auch sein
Kollege Michael Hartmann in Brunsbüttel von der Brüderschaft Nord-Ostsee-Kanal
I. 40 000 Schiffe müssen im Jahr durch das am stärksten befahrene Revier der
Welt manövriert werden.
„Laut
Gesetz müssen wir 24 Stunden am Tag in Bereitschaft stehen“, erläutert Subklew.
Dort, wo sich der Schiffsverkehr ballt, wie in den Hafenzufahrten oder auf dem
meistbefahrenen Seeweg der Ostsee, der Kadetrinne, unweit von Rostock, sind
Lotsen gefragt, beschreibt Subklew das Tätigkeitsfeld im Revier. Der Beruf sei
spannend und anspruchsvoll. „Man muss immer präsent sein und sich sofort auf
einem neuen Schiff zurechtfinden“, sagt der Vize-Vorsitzende der
Bundeslotsenkammer.
Den
gravierenden Nachwuchsmangel soll nun ein verkürzter Ausbildungsweg lindern.
Bislang hätten Bewerber eine Erfahrungsfahrzeit von vier Jahren auf See
nachweisen müssen, erläutert Subklew. De facto laufe dies auf sieben Jahre
hinaus, denn nur die Zeit an Bord ohne Unterbrechung zähle. „Die
durchschnittliche Verbleibzeit in der Seefahrt beträgt jedoch nur vier Jahre.“
Gemäß dem am 1. August 2008 in Kraft getretenen geänderten Seelotsgesetz
fordert der alternative Ausbildungsweg nur noch zwei Jahre Fahrenszeit. Die
restliche Erfahrungszeit an Bord soll eine sechsmonatige Grundausbildung im
Lotsenrevier ersetzen. Darauf folgt eine achtmonatige lotsenspezifische
Ausbildung.
Auch
wenn die Lotsen nicht mit einer Entschärfung der Lage rechnen – für Ältermann
Michael Hartmann aus Brunsbüttel ist der alternative Ausbildungsweg immerhin
„ein erstes Licht am Ende des Tunnels“. Fünf Bewerber haben in seinem Revier
seitdem die Lotsenausbildung aufgenommen. Neue Bewerber können sich wieder bis
Anfang Februar 2009 melden.
Seit
mehr als 600 Jahren helfen erfahrene Seeleute wie ortskundige Fischer fremden
Schiffen durch gefährliche Gewässer. Die älteste deutsche Lotsordnung trat 1656
mit der „Hamburger Pilotage Ordnung“ in Kraft. Die erste staatliche
Lotsenstation wurde 1784 bei Bülk nahe Kiel eröffnet.
Heute sorgen speziell geschulte Nautiker mit Hafen- und
Überseelotsungen auf Schiffen mit über 90 Meter Länge und 13 Meter Breite sowie
einem Tiefgang ab sechs Metern für eine sichere Fahrt. Die rund 735 deutschen
Seelotsen gehen überall dort an Bord, wo der Schiffsverkehr stark ist und die
Gefahr von Unfällen vergrößert.
23.07.2008 Ostsee Zeitung
Dampfer „Stettin“ zum Abschied gelotst
Gristow Weißer Bart, Kapitänsmütze, tiefe, feste Stimme. Ein Blick in
die blitzenden Augen verrät, dass ihm der Schalk im Nacken sitzt, und die
Antworten im Gespräch bestätigen das. Genauso stellt man sich wohl einen
Kapitän vor.
Für
Erhard Ahrns, dem dienstältesten Lotsen der Lotsenbrüderschaft
Wismar/Rostock/Stralsund war die Fahrt mit dem Museumsschiff, dem Dampfeisbrecher
„Stettin“ von Sassnitz nach Stralsund die letzte, auf der er ein Schiff durch
enges Fahrwasser manövrierte. Nun zieht sich der 65-Jährige in den
wohlverdienten Ruhestand zurück. Ob er etwas Melancholie bei seiner letzten
Fahrt verspürte? „Nee, ich war jetzt über 27 Jahre als Seelotse unterwegs. Das
reicht nun auch.“ Fast sein ganzes Leben verbrachte der sympathische Gristower
auf dem Wasser. In eine Fischereifamilie hineingeboren, fiel ihm nach eigenen
Aussagen nichts Besseres ein, als zur See zu fahren. Von 1960 bis 1962 war er
mit dem Lehrschiff „Theodor Körner“ unterwegs, dann durfte er sich Vollmatrose
nennen und war zwei Jahre auf den Meeren der Welt unterwegs.
Von
1964 bis 1966 legte er sein Steuermannspatent ab, vier Jahre später erhielt er
das Kapitänspatent. Bis 1980 fuhr Erhard Ahrns als 1. Offizier auf Schiffen
mit, dann fing er als Lotse in Stralsund an.
Das
Revier Wismar/Rostock/Stralsund umfasst alle Gewässer im Küstenbereich von
Mecklenburg-Vorpommern, von der Grenze zu Schleswig-Holstein bis zur polnischen
Grenze und ist als sehr anspruchsvoll bekannt. „Eine Herausforderung in unserem
Bereich sind die vielen kleinen Häfen und engen Fahrrinnen“, erklärt Erhard
Ahrns.
Seinem
unsteten Beruf als Seelotse kann der Vater von zwei erwachsenen Söhnen viel
Positives abgewinnen. „Es ist kein normaler Beruf, bei dem man morgens mit
einer vollen Butterdose zur Arbeit geht und abends mit einer leeren wieder nach
Hause“, stellt er trocken fest. „Es bleibt immer spannend, da viele
unvorhersehbare Dinge passieren können.“ Bei seinen Kollegen der
Lotsenbrüderschaft ist Erhard Ahrns geachtet und beliebt. „Er ist immer gerade
heraus, eiert nicht rum, das schätze ich an ihm“, sagt Ältermann Christian
Subklew. Zwar habe es oft Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber diese konnte
man mit ihm immer konstruktiv ausdiskutieren. „Außerdem haben wir viele Tricks
von ihm gelernt, besonders, wenn es um die kleinen Häfen ging“, ergänzt Kollege
André Steinbach.
Freizeit
gab es während des Berufs zwar nicht so viel für Erhard Ahrns, aber die Zeit,
die verblieb, nutzte er umso intensiver, z. B. beim erholsamen Segeln mit
seiner Rügenjolle.
Viel vorgenommen für seine Pension hat sich der waschechte
Pommer noch nicht. „Ach, ich werde wohl nach Hause gehen und die Aufträge
meiner Frau erwarten.“ Eine große Weltreise stehe nicht auf dem Plan, denn viel
habe er ja schon gesehen. Auf dem Programm stehe viel mehr der große Garten.
Aber auch auf dem Wasser werde er weiterhin unterwegs sein, mit seiner Jolle.
„Vielleicht schaffe ich es aber endlich mal, den seit etlichen Jahren fast
fertigen Hühnerstall zu Ende zu bauen. Obwohl wir, glaube ich, jetzt gar keine
Hühner mehr haben wollen “
MIRIAM WEBER
09.01.2008 Norddeutsche Neueste Nachrichten
Von Rainer Frank
ROSTOCK - Während sich die
heimische Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund (WiRoSt) gerade durch zwei
Kollegen weiter personell gestärkt und verjüngt hat, beklagen ihre Kollegen an
der Nordsee große Nachwuchssorgen. Im Nord-Ostsee-Kanal sei zum Beispiel
"die ständige Verfügbarkeit nicht mehr gewährleistet und viel besser sieht
es auf der Elbe auch nicht aus", erklärt Ältermann Christian Subklew, der
als 2. Vorsitzender der Bundeslotsenkammer das gesamte deutsche Lotswesen im
Blickfeld hat. So weiß er natürlich, dass allein am Nord- Ostseekanal über
hundert Lotsen fehlen. Versäumnisse vergangener Jahre schlagen durch. Im Westen
konnte man in den 90er- Jahren zunächst noch aus dem Überhang im Osten zehren.
Mit der inzwischen allgemeinen Knappheit von Schiffsoffizieren verschärfte sich
das Problem, zumal die Seeschifffahrt mit attraktiven Anegeboten lockt.
Neue gesetzliche Regelungen
sollen nun Abhilfe schaffen. Man verspricht sich dadurch, den Zugangsweg zum
Lotsenberuf zu erleichtern. Einer der Eckpunkte: Die bislang notwendige
Fahrzeit als Voraussetzung wird ein wenig verkürzt. Die Chance, Nautiker zu gewinnen,
könnte wachsen. Die Fort- und Weiterbildung gewinnt zugleich an Gewicht. Dank
der Kooperation mit dem Warnemünder Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar
können die heimischen Lotsen am Simulator trainieren, gibt es Veranstaltungen
zur Brückenorganisation, zum Unfall-Management und zum Shiphandling.
Zur Lotsenbrüderschaft WiRoSt zählen gegenwärtig 33 Mann. Ihr
Altersdurchschnitt liegt unter 50 Jahren. Mit dem Stralsunder Erhard Ahrens
geht im August ein Kollege in den Ruhestand. In dieser Besetzung seien die
anfallenden Aufgaben im Lotsrevier zwischen Wismar und Wolgast für absehbare
Zeit gut zu erfüllen, wenn sich nicht unerwartete Ausfälle ergeben oder der
Verkehr enorm wächst, erklärt Christian Subklew.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 7850 Schiffe bedient. Die größten
Steigerungen gab es mit 2150 Schiffe (plus 250) im Lotsbezirk Wismar.
31.12.2007 Norddeutsche Neueste Nachrichten
ROSTOCK - Das Leistungsbarometer der
heimischen Lotsenbrüderschaft ist im zurückliegenden Jahr leicht gestiegen.
Insgesamt wurden 2007 zwischen Wismar und Ueckermünde rund 7850 Schiffe
bedient. Allein in Rostock erfolgte für 4018 Schiffe Lotsenhilfe.
Das entspricht dem Aufkommen des Vorjahres, wie Lotsen ältermann Christian
Subklew (53) feststellt. Allerdings war 2006 auch ein Entwicklungssprung um 35
Prozent zu verzeichnen. Kreuzliner und Getreideschiffe machten sich in diesem
Jahr rarer. Dafür schlugen diverse Stückgut-, Projekt ladungs- und
Flüssiggut-Verschiffungen zu Buche, stiegen die Werften-Zulieferungen. Die
größten Schiffe waren die Cruiser "Star Princess" (Bruttraumzahl: 108
000 BRZ, 289,50 Meter lang) und "Constellation" (90 280 BRZ, 294
Meter lang) sowie die 294,50 Meter langen Volkswerft-Neubauten. Zu den größten
Brocken zählten auch die 250 Meter langen und über 62 000 BRZ großen Tanker
"Stena Antarctica", "Kareela Spirit" und "Helga
Spirit". Ab 100 Meter Länge, 15 Meter Breite und 7,50 Meter Tiefgang sind
für den Rostocker Seehafen die Schiffe lotspflichtig. Für den Fischereihafen
sind 80, 11 und 6 Meter die Begrenzungsdaten.
Auf eine imposante Steigerung von 2150 auf etwa 2400 Lotsungen kann Wismar
verweisen. Der Stralsunder Bezirk, der bis Wolgast und Ueckermünde reicht,
meldet dagegen Rückgänge von 1620 auf etwa 1422 Schiffe. Hieraus ist auch die
gewachsene Stettiner Konkurrenz ablesbar, wohin verstärkt Getreide aus dem
Brandenburgischen ging.
Die Zahl der Überseelotsungen ist von 12 auf 18 gestiegen. Die Schiffe wurden
von Rostock bis Spodsbjerg, aber auch in Richtung Ost bis Allinge geleitet.
Als eines der letzten Schiffe des Jahres ist heute in Rostock gegen 20.30 Uhr
"Superfast VIII" zu bedienen. Erste Mission für Lotsenältermann
Christian Subklew wird Neujahr das Lotsen und Kompensieren der Scandlines-Fähre
"Sassnitz" sein.
Rostocker Brüderschaft ist die jüngste in
Deutschland Ab Januar zählt die Lotsenbrüderschaft 33 Mann. 12 von ihnen
sind in Rostock tätig. Mit Mathias Kreysler und Detlef Benedix hatten am 18.
Dezember zwei weitere Anwärter ihre Prüfungen bestanden. Fünf neue Lotsen
hatten vor ihnen im Februar das Team verjüngt. Mit einem Altersdurchschnitt
unter 50 Jahren ist die Brüderschaft die jüngste in Deutschland. Steffen Herz
(40), bis gestern Wachlotse vom Dienst, ist einer der Jüngeren. In seiner
Freizeit führt er übrigens den Lotsenschoner "Atalanta".
16.04.2007 Ostsee Zeitung
Lotsenfahrt
im „verminten“ Revier
In
Fahrtrevieren wie dem Strelasund nehmen Schiffskapitäne gern die Dienste von
Lotsen in Anspruch. Einer von ihnen ist Kapitän Thomas Langhinrichs.
Stralsund (OZ) Das Küstenrevier zwischen Lübecker und Pommerscher Bucht
wird von der Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund betreut. Ihr gehören
derzeit 30 Lotsen an. Einer von ihnen ist Thomas Langhinrichs. Es ist vier Uhr
früh im Stralsunder Hafen. An der Steinernen Fischbrücke wartet ein Taxi auf
Thomas Langhinrichs. Er soll ein kleines Frachtschiff in den Stralsunder
Südhafen lotsen. Das Taxi fährt über leere Straßen in Richtung Osten, zum
Peene-Strom.
Später sitzt Langhinrichs mit vier schweigenden Männern im Lotsenversetzboot, dessen Bug sich mit zunehmender Geschwindigkeit aus dem Wasser hebt. Auf der Peene leuchten Tonnen rot und grün. Um kurz nach sechs Uhr bricht das Funkgerät das Schweigen. Langhinrichs und der Kapitän des Frachters „Dogger“ vereinbaren den Treffpunkt.
„Alles vermint“, murmelt Langhinrichs und deutet auf schwarze und rote Flaggen, die auf Netze im Wasser hinweisen. Er informiert den Kapitän: „Please check your radar, your course is full of fishing nets.“ Das Übersteigen von einem Schiff auf das andere geschieht routiniert. Zwei Treppen hoch, im Gehen die Jacke ausgezogen, schüttelt der Lotse kurz darauf dem russischen Kapitän die Hand. Ein schneller Blick auf die Instrumente.
Wer trägt die Verantwortung auf der „Dogger“? „Kapitän bleibt Kapitän“, sagt Langhinrichs, „ich bin nur dafür da, das Schiff sicher durch die Fahrwasser und in den Hafen zu bringen.“ Zwischen Kapitän und Lotsen ergibt sich auch juristisch ein fragiles Gleichgewicht. In wenigen wortlosen Sekunden regelt sich auf der „Dogger“ scheinbar alles von allein: Der Kapitän überlässt Langhinrichs den Platz an Radar, Autopilot und Funkgerät, bleibt jedoch auf der Brücke. Im Hintergrund beobachtet er, wie der Lotse sein Schiff durch den Greifswalder Bodden manövriert. Dieser spricht ihn respektvoll mit „Captain“ an. Die „Dogger“ ist mit 65,8 Meter Länge und 1092 BRT ein kleines Frachtschiff mit der Billigflagge der Bahamas am Heck.
Gegen 8.30 Uhr steuert Langhinrichs das Schiff in den Strelasund. Mit 9,5
Knoten gleitet die „Dogger“ dem Stralsunder Südhafen entgegen. Sie hat
norwegische Stahlplatten geladen. Auf der Brücke herrscht Konzentration.
„Captain, slow ahead, please“, die „Dogger“ fährt mit langsamer Vorausfahrt,
die Kommandos kommen knapp und bestimmt von Langhinrichs. Nur wenig später
liegt der Frachter längs der Pier. An Land wartet das Taxi.
ANKE LÜBBERT
22.12.2006
Ostsee Zeitung
Bilder und Blumen für Claus-Jesup-Schule
Wismar Während für die rund 200 Mädchen und Jungen mit einer
Lernbehinderung und ihre 27 Lehrerinnen an der Claus-Jesup-Schule die letzten
Unterrichtsstunden vor dem Fest liefen, nahm Schulleiterin Vera Walleiks für
sie ein großes Weihnachtsgeschenk entgegen. Eine Spende von 1050 Euro. Die
übergab Wolfgang Heinickel im Auftrag der Lotsenbrüderschaft – einem
Zusammenschluss von 30 Seelotsen aus den Bereichen Wismar, Rostock und
Stralsund.
Die Freude bei der Schulleiterin über diesen unerwarteten Geldsegen war natürlich groß: „Für dieses Geld werden wir Bilder oder Pflanzen zur Innendekoration anschaffen und ein paar mehr Bilder für die Wände im Schulhaus machen sich bestimmt auch gut. Im Kollegium werden wir dann noch darüber beraten, was wir für ein attraktives Schulleben organisieren können.“ Wie Vera Walleiks erinnerte, war die Schule erst im August dieses Jahres komplett saniert wieder eingeweiht worden. Rund 3,6 Millionen Euro hatten die Arbeiten am Gebäude, an der Turnhalle und auf dem Außengelände gekostet. Nach und nach wollen Schüler und Lehrer für eine zweckmäßige und schöne Innenausgestaltung der Schule sorgen.
Die Mitglieder der Lotsenbrüderschaft haben laut Wolfgang Heinickel seit
einigen Jahren einen Sozialfonds, in den jedes Mitglied monatlich einen
bestimmten Betrag einzahlt. „In jedem Jahr entscheiden wir uns dann, welches
Projekt wir in der Region Wismar, Rostock und Stralsund unterstützen. Und so
sind wir auf die Claus-Jesup-Schule gekommen“, erzählte der Wismarer. Auch in
Rostock und Stralsund wird je ein Projekt mit der gleichen Geldsumme
unterstützt.
MARLIES LINDNER
18.12.2006 Ostsee Zeitung
Seefahrer spenden für Wustrower Kirche
Wustrow Für die Wustrower Seefahrer ist er so etwas wie das Symbol der Heimat.
Ein Zeichen dafür, dass sie nach manch langer Reise Familie und Freunde wieder
in die Arme schließen können.
Kein Wunder also, dass gerade den Seeleuten der 18 Meter hohe Turm der Wustrower Kirche so am Herzen liegt. „1050 Euro haben wir gesammelt“, sagte Kapitän André Steinbach und übergab im Auftrag der Lotsenbrüderschaft die Spende an Pastorin Christiane Gramowski. Die Lotsenbrüderschaft betreut die gesamte Küste Nordvorpommerns. „Von Wismar bis zum Oderhaff“, so Steinbach.
In diesem Jahr wurden bereits 110 000 Euro in die Restaurierung der etwa 130 Jahre alten Fischlandkirche investiert. „Aber wir brauchen bestimmt noch einmal die gleiche Summe, um den Turm fertig zu stellen“, erklärt die Pastorin und blickt auf das Gerüst, das auf erste Bauarbeiten schließen lässt. Viele Spenden habe es von Privatpersonen gegeben, so Gramowski: „Die Kirche liegt den Wustrowern am Herzen.“
Als Dankeschön für das vorzeitige Weihnachtsgeschenk erhielt André Steinbach
von der Pastorin eine kleine, originale Kirchenscheibe aus dem Jahr 1873.
Damals wurde die Kirche mit dem kreuzförmigen Grundriss eingeweiht. „Diese
Scheibe“, sagt der Wustrower Kapitän und dreht das bunte Glas in den Händen,
„wird einen Ehrenplatz in unserem Hauptquartier im Blauen Turm in Warnemünde
bekommen.“ Im nächsten Jahr wird der Bau am Turm dann beginnen.
C. R.
12.12.2006
Ostsee Zeitung
Kur für den Schutzpatron
Der hölzerne Christophorus gehört zu den schönsten und ältesten
Ausstattungen der Warnemünder Kirche. Jetzt wird die Statue restauriert.
Warnemünde Gelassen schaut er auf die Besucher der Warnemünder Kirche
herab. Stolz, fast erhaben und doch auch sehr freundlich überragt der hölzerne
Christophorus alle, die sich in der Kirche befinden. Genau wie der Altar aus
einer Danziger Werkstatt und das Kruzifix vor dem Altaraufsatz, stammt das
Christophorus-Kunstwerk wohl aus dem 15. Jahrhundert. Das heißt, es ist in die
Jahre gekommen und bedarf dringend einer Kur.
„Um die Statue zu restaurieren, ihr auch den Originalanstrich zurückzugeben, benötigen wir rund 12 000 Euro“, schätzt Helmut Bach ein, der seit drei Jahren den Förderverein der Warnemünder Kirche leitet. Gestern kamen zu dem großen Ziel wieder 1050 Euro hin zu. Christian Subklew, Ältermann und Lotsenkommandeur der Lotsenbrüderschaft Wismar / Rostock / Sralsund übergab gestern das Geld.
Alle 31 Lotsen, die zu der Brüderschaft gehören, zahlen monatlich in einen Sozialfonds ein. Am Jahresende wird entschieden, wofür das Geld eingesetzt wird. „Mit drei gleichen Summen unterstützen wir eine Förderschule für lernbehinderte Kinder in Wismar, den Neubau des Umgangs am Wustrower Kirchturm und die Sanierung des Christophorus“, sagt Christian Subklew. Wobei die Lotsen traditionell ein gutes Verhältnis zu Christophorus, dem Schutzpatron der Seefahrer haben. Bereits zu jener Zeit, als der legendäre Warnemünder Stephan Jantzen Lotsenkommandeur war, haben die Warnemünder Lotsen Geld für die Aufarbeitung des hölzernen Christophorus gegeben.
Pastor Harry Moritz, der seit 2004 die Warnemünder Gemeinde als Seelsorger betreut, freut sich, dass sich der Förderverein und viele Förderer und Freunde für die Warnemünder Kirche engagieren. „Nachdem das Kirchendach bezahlt ist, können wir nun schrittweise das Innere der Kirche gestalten“, sagt Harry Moritz. Der Förderverein, er hat sich im Oktober 2001 gegründet, hat die neue Ausmalung der Kirche unterstützt, die fast abgeschlossen ist. Im kommenden Jahr soll der Christophorus etwa vier bis sechs Monate eingerüstet und saniert werden. 8650 Euro wurden schon gesammelt. Und irgendwann, so träumt Helmut Bach, soll es auf der Vierung des Kirchendaches wieder ein kleines Türmchen mit Glocke geben.
Die Lotsenbrüderschaft stellt Lotsen für alle Reviere der Häfen Wismar, Rostock, Stralsund sowie für die Häfen im Greifswalder Bodden, am Peenestrom, Sassnitz und Mukran zur Verfügung. Und es werden nautische Beratung und Betreuung von Projekten, hauptsächlich der Werften, angeboten. In Wismar arbeiten neun, in Stralsund zehn und in Rostock elf Lotsen. „Sonst wird es bei uns im Winterhalbjahr immer etwas ruhiger, doch in diesem Jahr flaut der Schiffsverkehr nicht ab“, ist Christian Subklew ganz zufrieden, dass alle 31 Lotsen der Brüderschaft gut beschäftigt sind.
Damit sie bei ihren Fahrten zu und von den Schiffen immer wohlbehalten ans
Ziel kommen, achtet auch Christophorus auf sie. Die Warnemünder Figur entstand,
als die Lotsen als Berufsgruppe ihren Dienst schon aufgenommen hatten.
Lotsendienste wurden mit dem Aufschwung des Schiffsverkehrs in der Hansezeit
angeboten. Lotsen als Berufsgruppe gibt es in Stralsund seit 1280, in Rostock
seit 1387 und in Wismar seit 1468. Zunächst arbeiteten ortskundige Fischer als
Lotsen.
THOMAS STERNBERG
Neues Amt für Ältermann der Lotsenbrüderschaft
Stralsund/Hamburg Die Mitglieder der Bundeslotsenkammer – in ihr sind
750 deutsche Seelotsen aus sieben Brüderschaften organisiert – haben am 5.
Dezember in Hamburg Dr. Christian Subklew zu ihrem Zweiten Vorsitzenden
gewählt. Kapitän Subklew ist Ältermann der Lotsenbrüderschaft
Wismar-Rostock-Stralsund (WiRoSt). Er vertritt in seinem Revier, das größte
Deutschlands zwischen der Lübecker und Pommerschen Bucht, insgesamt 32 Lotsen,
davon zehn in Stralsund.
Christian Subklew hat eine nautische Bilderbuchkarriere hinter sich: 1954 in Greifswald geboren und noch heute dort mit Frau und drei Kindern wohnend, studierte er Nautik in Warnemünde/Wustrow, promovierte dort und fuhr bei der Deutschen Seereederei (DSR). Ab 1989 war er Kapitän in der weltweiten Containerschifffahrt.
Für die Lotsenbrüderschaft Nord-Ostsee-Kanal I in Brunsbüttel fuhr er ab 1991 fünf Jahre als Kanallotse. 1996 wechselte er zur Brüderschaft WiRoSt. Darüber hinaus arbeitet Subklew in der BPAC (Baltic Pilotage Authority Commission), einer Vereinigung, die sich um Lotsenbelange der Ostsee-Anrainerstaaten kümmert, und vertritt europaweite berufsständische Interessen in der Organisation HELCOM. Daneben leistet er Dienst in der Deutschen Marine als Korvettenkapitän der Reserve und unterrichtet an der Marineschule Flensburg-Mürwik Handelsschiffsoffiziere im Konvoifahren.
In der Freizeit segelt der Holzboot-Liebhaber einen alten Kielschwerter auf
Sund- und Boddengewässern.
PSW
Interview mit Seelotse Dr. Christian
Subklew
Die verantwortungsvolle Arbeit der deutschen Seelotsen sowie ihre Bezahlung sind ins Gerede gekommen. Reeder, Häfen und Schiffsmakler würden es gern sehen, wenn mehr Schiffe von der Lotsenannahmepflicht befreit und die Lotstarife gesenkt werden würden. Denn der Kosten- und Konkurrenzdruck nimmt stetig zu und damit auch der Zwang, sich nach Einsparungsmöglichkeiten umzusehen. Sind Seelotsen heutzutage noch unverzichtbar?
Zielscheibe der Kritik aus der Seewirtschaft sind zunehmend die Lotsen geworden, die in freien Brüderschaften als Selbständige organisiert sind, aber der Aufsicht durch das Bundesverkehrsministerium unterliegen. Und das, obwohl der Stress für die Besatzungen an Bord infolge enger gewordener Fahrpläne und höherem Verkehrsaufkommen dauernd größer wird. Infolgedessen ist bei Schiffsunfällen eine steigende Tendenz festzustellen. Kapitäne hingegen sind froh, wenn ihnen in fremden Revieren erfahrene Lotsen zur Seite stehen, die sie in allen schwierigen Situationen fachkundig beraten. Dr. Christian Subklew ist amtierender Ältermann und Vorsitzender der Lotsenbrüder-schaft Wismar-Rostock-Stralsund (WiRoSt).
SM: Welche Eigenschaften prägen das Berufsbild der Seelotsen? Subklew: Erfahrungen, Einsatzbereitschaft, Entscheidungsfreudigkeit, Teamgeist, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind die Eingangsvoraussetzungen für unseren Beruf. Hinzu kommen im Rahmen der Ausbildung eine Fülle spezieller Kenntnisse in der Manöverkunde und den Manövriereigenschaften der unterschied-lichsten Schiffstypen, verbunden mit den Besonderheiten des jeweiligen Seelots-reviers und seiner speziellen Vorschriften. All dies sind herausragende Merkmale unseres Berufes. Der Gesetzgeber verlangt von uns, als wichtigem Teil des Verkehrssicherungssystems, die optimale Sicherheit für Mensch und Umwelt in unseren Seelotsrevieren, aber auch die Bewahrung des freien ungestörten Zugangs zu und von unseren Häfen für alle Verkehrsteilnehmer des nassen Elements. Der Eigentümer und Betreiber von Schiff und Ladung erhält zudem die größtmögliche Sicherheit für seine Crew und seine Sachwerte durch hochqualifizierte Spezialisten. Nach dem Verursacherprinzip werden die Lotskosten ausschließlich vom Nutzer, d. h. der Schifffahrt finanziert. Den ausbildenden Reedereien, den Fachhochschulen und den Aufsichtsbehörden verdanken wir die notwendige Eingangsqualität der Bewerber für den Beruf des Seelotsen. Qualität, die sich nach der umfangreichen Ausbildung in allen Stufen des Werdegangs schließlich durch das umfassende Verständnis für die Belange aller Beteiligten, an Bord wie an Land, auszeichnet. SM: Die Belastungen der Lotsen sind sehr hoch. Sehen Sie selbst und Ihre Kollegen den Lotsen-Beruf als „Knochenarbeit“ an? Subklew: Physisch gesehen insofern, als wir häufig bei Sturm und hohem Seegang auf den Lotsenbooten kräftig durchgeschüttelt werden und der ganze Körper zugleich dagegen „arbeiten“ muss. Das Klettern auf einer neun Meter langen Lotsentreppe an einer nassen Bordwand erfordert uneingeschränkte Gesundheit, Kraft und Geschick-lichkeit. Dazu noch ein schweißtreibender Fußmarsch durch -zig Decks bis auf die Brücke, nach dem man sofort präsent sein muss. Die Seeberufsgenossenschaft ordert den Lotsendienst nicht umsonst als „gefahrge-neigte Tätigkeit“ ein. Im Winter bei Eis und Schnee sowie bei Nacht und Nebel wird das besonders deutlich. Manch ein Kollege verlor dabei sogar sein Leben. Im psychi-schen Bereich nervt das Warten auf den Abruf. Man weiß nie, wann der nächste Anruf und was für ein Schiff da auf einen zukommt. Darunter sind leider auch Schiffe, mit denen ich jedenfalls nicht 'raus auf See fahren würde. Dies alles vor dem Hintergrund von 263 Arbeitstagen im Jahr mit einem ständigen Dienst- und Bereitschaftssystem – 24 Stunden am Tag und natürlich auch an Sonn- und Feiertagen bei fluktuierender Schifffahrt. SM: Welche externen Faktoren haben Ihnen in letzter Zeit die größten Probleme be-reitet? Subklew: Die letzten Jahre sind von der sich abzeichnenden Gefahr für die ständige Verfügbarkeit qualifizierter Lotsen für das deutsche Verkehrssicherungssystem durch einen dramatischen Nachwuchsmangel geprägt gewesen. Das historische Auf und Ab im Personalmanagement der deutschen Seeschifffahrt ist an sich nichts Neues. Heute fehlen über 16.000 Schiffsführungskräfte, für das Jahr 2010 wird ein weiterer Bedarf von über 46.000 prognostiziert. Seit 1990 ist dieser Trend unübersehbar in diversen Studien belegt worden. Diesem Trend gilt es, gemeinsam mit allen Beteiligten entgegenzuwirken. Der rasante Aufwärtstrend im Bereich Schifffahrt bietet den jungen Menschen eine gute Zukunftsperspektive mit einer hervorragenden Ausbildung im Primärbereich. Im Sekundärbereich bieten sich weitere attraktive Berufe, wie z.B. der Beruf des Lotsen. Die derzeitige durchschnittliche Verweildauer von 4,7 Jahren für Patentinhaber in der Seeschifffahrt ist – gemessen an der langen Ausbildungszeit – nur kurz. Seefahrt ist in ihrer Urform für den Menschen kein typischer Beruf bis zum Erreichen des Renten- |
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alters. Die berufliche Um- und Neuorientierung wird zunehmend vom Lebenspartner und Kindern stark beeinflusst. SM: Wie stehen die Reeder zu dieser Problematik? Subklew: Zwischen den Reedern und Lotsen hat sich eine erfreulich konstruktive und zielorientierte Gesprächsatmosphäre entwickelt. Beide Parteien haben erkannt, dass ein attraktiver Sekundärbereich auch im Interesse des Primärbereichs ist, weil es immer schon Nautiker gegeben hat, die nicht bis zur Rente zur See fahren, aber durchaus bis etwa zum 40. Lebensjahr als Kapitän tätig sein wollen. In diesem Alter ist ein Wechsel in den Beruf des Seelotsen im Gegensatz zu den meisten anderen Landberufen meist noch problemlos möglich. Es ist deshalb im Interesse beider Seiten, die Verweildauer in der Seefahrt wieder erheblich zu erhöhen. Die Lotsen haben andererseits gelernt, dass auch sie ihren Teil dazu beitragen müs-sen, indem an den Seefahrtschulen aktiv für ein möglichst langes Verbleiben in der Seefahrt geworben wird. Ein weiterer Bereich könnte die Unterstützung der Reeder bei der Ausbildung der Praktikanten sein, indem zumindest Fehlzeiten in den Praxis-semestern bei den Brüderschaften aufgefüllt werden können. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass alle o.g. Maßnahmen erst in einigen Jahren zu einer Entspannung der Nachwuchssituation führen können. Auf allen Revieren muss heute von den Kollegen eine erhebliche Überarbeit geleistet werden, um den Zulauf der internationalen Schifffahrt ohne Zeitverlust zu den boomenden deutschen See-häfen sicherzustellen. SM: Meinen Sie, dass Satelliten Lotsen ersetzen können und sollten die Lotsen stärker in die Vermeidung von Seeunfällen eingebunden werden? Subklew: Nein, Satelliten sind zwar für die Positionsbestimmung sehr genau, und es lassen sich damit auch anhand gesteuerter Kurse und Geschwindigkeiten gewisse Vorausberechnungen anstellen, diese unterliegen jedoch permanent äußeren Ein-flüssen wie Wind und Strömung sowie Konstruktions-, Steuer- und Manövriereigen-schaften eines Schiffes. Insofern ist der vorausschauend tätige Lotse in engen Fahrwassern nach wie vor unersetzlich. Nautisch und wissenschaftlich ist dies auch nach wie vor unstrittig. Unsere Arbeit ist primär am öffentlich-rechtlichen Interesse der Verkehrssicherheit und dem Umweltschutz auf den Bundeswasserstraßen orientiert. Der Dienstleis-tungsstatus für die Seehäfen ist eine nachgeordnete, wenn auch zweifellos wichtige Funktion unserer Arbeit. Wir sind uns national als auch international darin einig, dass das Lotswesen nicht zur Wettbewerbsmasse verkommen darf. So etwas würde die fachlichen Anforde-rungskriterien drücken und ein Gefährdungspotential für Verkehrssicherheit und Um-weltschutz produzieren. Die verantwortungsvollen Kapitäne der internationalen Schifffahrt verzichten in den nautisch schwierigen und ökologisch sensiblen Gewässern nicht gerne auf einen qualifizierten Lotsen, sondern würden aufgrund des herrschenden wirtschaftlichen Entscheidungsdrucks die Lotsannahmepflicht im Allgemeinen sogar begrüßen, schon alleine, um einen zusätzlichen nautischen Fachmann auf der Brücke zu haben. SM: Was halten Sie von der Einführung einer Lotsannahmepflicht für bestimmte Ge-fahrgutschiffe in den sog. High Risk Areas der Ostsee? Subklew: Der weltweit herrschende Mangel an qualifizierten Seeleuten stellt schon in sich eine Gefährdung des Seeverkehrs dar und lässt die Qualität trotz Mindestanfor-derungen absinken. Übermüdung, Unterqualifizierung und Unterbesetzung auf Tan-kern und großen Massengutschiffen sind nicht zuletzt Folgen des enormen Kosten-druckes im globalisierten Wettbewerb. In diesem Zusammenhang befürwortet die Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund die Einführung einer Lotsannahmepflicht in den High Risk Areas der Ost-see für alle Gefahrguttransporter und Schiffe mit einem Tiefgang von mehr als 11 Meter. Eine verbesserte Bereitstellung von Überseelotsen ist angesichts des mangelnden Ausbildungsstandards auf einigen Schiffen unerlässlich, um nationale Kosten bei Unfallfolgeschäden zu verhindern. Trotz Radar, AIS und zukünftig anderer Systeme bleibt die Lotsannahmepflicht in Gewässern wie dem Großen Belt oder der Kadet-rinne ein unverzichtbares und kurzfristig das einzige Mittel, um das Risiko einer Kollision oder Grundberührung in engen küstennahen Seegebieten zu reduzieren. Wenn zukünftig alle sechs Stunden ein Großtanker mit russischem Öl beladen an unserer Küste vorbeifährt, ist genug Gefahrenpotential vorhanden, um zu kollidieren oder bei schlechtem Wetter zu havarieren. Das hätte katastrophale Folgen, beispiels-weise für den besonders empfindlichen, als internationales Schutzgebiet anerkann-ten Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. SM: Vielen Dank für das Gespräch und stets eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Das Gespräch führte Dr. Peer Schmidt-Walther. |
22.12.2005 Ostsee Zeitung
Lotsen
zeigen wieder Flagge im Stammhaus
Stralsund Christian Subklew (51) lässt sein Blick durch den Raum schweifen und nickt zufrieden. Der Ältermann der Lotsenbrüderschaft Wismar/Rostock/Stralsund ist froh, dass seine Leute am Sund wieder ihr angestammtes Quartier beziehen können. Nicht nur weil der Turm gleich neben der Steinernen Fischbrücke ein wirklich schmuckes Gebäude ist. „Die Arbeitsbedingungen hier sind gut, auch wenn wir in dem Fachwerkbau auf der Ballastkiste mehr Platz hatten“, sagt der promovierte Seemann.
Bis 1991 fuhr der Greifswalder als Kapitän auf hoher See. Dann ließ er sich am Nordostsee-Kanal zum Lotsen ausbilden, wechselte 1996 das Revier, kam nach Stralsund. Zum Ältermann beziehungsweise Lotsenkommandeur wurde er erstmals 2001 und in diesem Jahr zum zweiten Mal gewählt.
Am 22. Dezember 1901 wurde der Lotsenturm im Stralsunder Hafen seiner Bestimmung übergeben. Er entstand damals auf den Mauern eines alten Festungsbauwerks, der Seekamponiere. Bis zum Jahre 2001 blieb er das Quartier der Lotsen am Sund, dann benötigte die nautische Verkehrszentrale den Platz vollständig. Die gibt es in Stralsund seit Sommer 2005 allerdings nicht mehr. Der Job wird von Rostock aus erledigt. Somit ist der Turm wieder frei für die Lotsen.
Die Lotsenbrüderschaft Wismar/Rostock/Stralsund ist eine von sieben in ganz Deutschland und zuständig für die gesamte Küste des Landes Mecklenburg-Vorpommerns. Ihr gehören 30 erfahrene Seeleute an. Aufgabe ist es, die Schiffe sicher in die Häfen zu bringen. Ihr Rat ist aber auch in anderen engen Fahrwassern gefragt.
Aufgeteilt hat sich die Körperschaft des öffentlichen Rechts an der Ostseeküste in drei Bezirke. Der Stralsunder Bereich reicht von der polnischen Grenze bis zum Darß. Geschäftsführer ist André Steinbach (47). Insgesamt gibt es hier neun Lotsen. Koordiniert wird ihr Einsatz vom Turm aus.
Lotsenpflicht bei der Ostansteuerung des Stralsunder Hafens besteht für Schiffe ab einer Länge von 85 Metern und 13 Metern Breite. Bei der Nordansteuerung gilt sie bereits ab 60 Meter Länge und zehn Meter Breite.
JPW
Rostock (OZ) Hohe Düne bei Rostock. Minus ein Grad. Der Wind bläst in
Stärken um sechs bis sieben. Treibt die Wellen auf See hoch bis zwei Meter und
mehr. Hundewetter. Den Lotsen ficht das nicht an. Er muss um zwölf Uhr im
Seekanal, fünf Seemeilen vor Warnemünde, an der Lotsenversetzstation zwei, den
unter norwegischer Flagge fahrenden Tanker „Tarnfjord“ abpassen. Mit 164 Metern
Länge und 20 242 tdw ist das Schiff lotsenpflichtig. Ziel ist der Rostocker
Ölhafen. Die „Tarnfjord“ bewegt sich auf der Warnow nicht gerade wie eine
Ballerina. Ein Kilometer Bremsweg bei voller Fahrt. Zehn Minuten bei null
Knoten Vorwärtsgeschwindigkeit für eine Drehung um sich selbst. Und tausende
Tonnen Rohöl an Bord.
Der Einsatz beginnt am Liegeplatz des Lotsenbootes „Schnaterman“ unweit der Fähre Hohe Düne. Bootsführer Hans-Werner Moser und Decksmann Axel Gurklies legen ab, um den Lotsen Axel Herpel aus Warnemünde abzuholen. Danach stemmt sich das Boot in die See. 650 PS bahnen sich bäumend mit bis zu 17 Knoten Geschwindigkeit den Weg. Oben und unten ist bald relativ. Für Besatzung und Lotsen ist das lediglich schlechtes Wetter: „Wir fahren immer raus. Wenn Wind und Seegang zu stark werden, kann es höchstens sein, dass die Einfahrt in den Molenbereich für die Schiffe zu riskant wird.“
Schließlich kommt die „Tarnfjord“ in Sicht und dann näher. Raus aufs Vordeck des Lotsenbootes („Immer festhalten!“), rauf auf die Leiterplattform und das Fallreep die Tankerwand hinauf geentert. Zum Glück hat der Tanker leewärts, weg vom Wind, gedreht. Nass wird es dennoch.
Gut 19 Metern über dem Meeresspiegel auf der Brücke des Tankers, wird klar: Die See ist im Grunde recht ruhig. Die Fähre „Mecklenburg-Vorpommern“ überholt gerade, blockiert in Kürze die Drehplatte im Breitling. „Das kostet uns 15 Minuten“, meint Herpel, der sich aus seiner wasserabweisenden Hose pellt. „Do you like some coffee? Milk or sugar?“ fragt Dennis Dahlberg, der Kapitän der „Tarnfjord“. Er serviert die Getränke persönlich.
Plötzlich, bereits auf dem Breitling, will eine Schute von Steuerbord vorbeiziehen. Kurzer Funkkontakt, kein Problem. Platz genug. Die Fahrt wird auf 2,6 Knoten verlangsamt. Lotse Herpel weist nicht an, er berät. Darauf legen die Freiberufler großen Wert. Ein Seelotse führt meist mehrere „Verlotsungen" nacheinander durch und wird dann durch den Wachlotsen an Land auf der Liste der wartenden Lotsen hintenan gesetzt, bis er wieder an der Reihe ist.
Vor der Ölhafenpier 6 wird gedreht, ohne Schlepper, nur mit Hauptpropeller und Bugstrahlruder. Zehn Minuten. Herpel eilt ohne Hast über die Brücke, um die Abstände zwischen Schiff, Begrenzungsbojen und Hafenanlagen zu prüfen. Kapitän Dahlberg und er bilden ein perfektes Team. Das klappt nicht immer so gut. Oft gibt es Verständigungsprobleme. Herpel: „Vor allem ältere russische oder ostasiatische Besatzungen haben sprachliche Schwierigkeiten. Nicht so sehr die Offiziere, aber die Leute, die mit den Schleppern Kontakt halten.“
Hier wird deutlich, welche Verantwortung bei den Lotsen liegt. Druck von der
Schiffsführung zu nehmen ist neben der Beratung eine der Aufgaben: Immer
kürzere Ruhepausen für die Kapitäne machen zu schaffen, daneben nerven
Restriktionen aufgrund des seit kurzem geltenden Sicherheitsprogramms ISPS
gegen die Terrorgefahr. Da passt es gut, wenn der Kapitän dank der Hilfe eines
Lotsen wenigstens während des Anlegemanövers etwas entspannen kann.
FRANK SCHNIBBEN
Im Hamburger Hotel "Elysee" beging vergangene Woche die Bundeslotsenkammer das 50-jährige Jubiläum des Gesetzes über das Seelotswesen. Dabei war auch Dr. Christian Subklew, der Ältermann der heimischen Lotsenbrüderschaft.
Von Reiner Frank
Entlang der deutschen Küste gibt es sieben Seelotsreviere, die sich von der holländischen bis zur polnischen Grenze erstrecken. Das Seelotsrevier Wismar/Rostock/Stralsund (WIROST) ist seit 1990 in das bundesdeutsche Seelotswesen eingegliedert. Es bedient die gesamte Küste Mecklenburg-Vorpommerns von der Wismarer Bucht bis zum Stettiner Haff und ist in die drei Lotsbezirke Wismar, Rostock und Stralsund aufgeteilt. Die gegenwärtig 28 Lotsen haben hier pro Jahr etwa 7000 Lotsungen durchzuführen.
"Wir haben die Talsohle durchschritten!", erklärt Christian Subklew. Das Leistungsbarometer sei wieder konstant, nachdem es im vergangenen Jahr einen Einbruch gab, die Zahl der lotspflichtigen Schiffe allein im Lotsbezirk Rostock um ca. zwölf Prozent zurückging. Die Tendenz zum größeren Schiff halte jedoch an. Und die nunmehr ohne Lotsen fahrenden Superfast-Fähren wären erst zu kompensieren…
Alle vier Werften aber würden neben den Häfen ihre Dienstleistungen benötigen. Die Arbeitsteilung der Aker-Ostseewerften schlagen auch für die Lotsen zu Buche, alle drei Woche ist von der Aker MTW ein Schiff auf Probefahrt zu führen. Mit einer Unfallrate von 0,005 Prozent sei man im Promillebereich. "Nach dem jetzigen Stand der Verkehrszahlen werden wir künftig mit ca. 30 Kollegen die anfallenden Losungen an unserer weit auseinander gezogenen Küste von ca. 1300 km Länge bewältigen können", so Subklew.
Die heimische Lotsenbrüderschaft befindet sich in einem Generationswechsel. Im nächsten Jahr werden hier bereits zu 80 Prozent junge Kollegen tätig sein. Um zwei weitere Lotsen soll die Brüderschaft im nächsten Jahr aber eventuell noch verstärkt werden. Bei der Ausbildung wird in zunehmenden Maße das Maritime Simulationszentrum in Warnemünde genutzt. Ein Kursus bei der DGzRS, in der die Rolle des Lotsen als Einsatzleiter vor Ort (On Scene Commander) bei eventuellen Seeunfällen geprobt wird, gehört zum Ausbildungsprogramm. Hauptinhalt der halbjährigen Ausbildung ist jedoch immer noch das "learning by doing", d. h. das Mitfahren und Mitlotsen mit erfahrenen Kollegen in allen drei Lotsbezirken, wobei der Stralsunder Bezirk die Häfen von Barth über Sassnitz-Mukran bis Wolgast und die Häfen im Greifswalder Bodden umfasst.
"Um den hohen Sicherheitsstandard auch in Zukunft zu gewährleisten, bleibt der unabhängige Status von revierkundigen und erfahrenen Seelotsen unverzichtbar", betonte der Vorsitzende der Bundeslotsenkammer, Hein Mehrkens, zum 50-jährigen Bestehen des Lotsgesetzes. Den Zusammenhang zwischen "Meeresumweltschutz und Seelotsdienste" stellte BSH-Präsident Prof. Peter Ehlers in einem der Festvorträge zum Jubiläum her.
29.10.2004 Ostsee-Zeitung
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Britischer Ölriese setzt Lotsen auf Tankern in der Ostsee ein |
London (OZ/schw/dpa) Der britische Mineralölkonzern BP will die Sicherheitsmaßnahmen beim Öltransport auf den Meeren deutlich verbessern. Seit kurzem setzt das Unternehmen auf seinen Tankern in der Ostsee Lotsen ein. Sie sollen gewährleisten, dass in den engen Fahrwassern das Risiko eines Unfalles minimiert wird. Ab 2010 gelten für Öltransporte in der Ostsee verschärfte gesetzliche Vorgaben. Der Mineralölkonzern erfüllt diese Auflagen schon fünf Jahre früher.
Zudem werden in der BP-Flotte weltweit ab 2005 nur noch Tanker mit Doppelhüllen eingesetzt.
Der Ältermann der Lotsenbruderschaft Wismar/Rostock/Stralsund, Christian Subklew, begrüßt die konsequente Haltung von BP. Derzeit gelte in der Ostsee lediglich „eine Lotsenannahme-Empfehlung“, der aber immer mehr Tanker-Reedereien Folge leisten, so Subklew. „Die Seelotsen begleiten die Tanker von Skagen in Norddänemark bis nördlich der Insel Bornholm und umgekehrt durch die engen Meeresstraßen.“
Auch Rostocker Lotsen würden verstärkt für die spezielle Aufgabe angefordert. Zumeist von Tankern, die Rostocks Ölhafen in Richtung Großer Belt verlassen.
16.06.2004 Norddeutsche Neueste Nachrichten
Die lotspflichtige Schifffahrt ist im heimischen Lotsrevier zwischen Wismar und Wolgast dieses Jahr um zehn Prozent rückläufig. Die Kurve des Leistungsbarometers zeigt in allen drei Lotsbezirken nach unten. Wir sprachen mit Lotsenältermann Dr. Christian Subklew.
Von Reiner Frank
Der Kreuzliner Constellation und der Öltanker Petrodvorets waren gestern zu bedienen. Heute ist die Grand Princess in den Rostocker Seehafen zu lotsen. Große Brocken, die nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeit für die 29 Lotsen im Lotsrevier WiRoSt, die Anzahl der lotsenpflichtigen Schiffe in den heimischen Häfen zurückging. Im Lotsbezirk Rostock von 1364 auf 1047, in Wismar von 616 auf 582 und im Lotsbezirk Stralsund, wo insbesondere Wolgast betroffen ist, von 438 auf 411. Insbesondere der Ausfall der Getreideschiffe schlägt zu Buche.
In den Häfen wäre mit guten Rahmenbedingungen für die Schifffahrt aber so manches noch zu kompensieren. Deshalb wünschen sich auch die Lotsen, dass in der Stralsunder Nordansteuerung und im Bereich der Zufahrt sowie der Wendeplatte zum Rostocker Fischereihafen gebaggert wird. In Stralsund geht es u. a. um den Umschlag von Gips, Schrott und Holz. Und im Fischereihafen wäre die Länge der Schiffe auf 180 m und der maximale Tiefgang auf 7,92 m zu erhöhen, was die Bedingungen für den dortigen Getreideumschlag verbessern würde. Die durch die Maut-Ausfälle hervorgerufene Haushaltssperre aber beeinträchtigt die Schifffahrt, nötige Erhaltungsbaggerungen blieben aus. Für die Stralsunder Nordansteuerung wurde infolge von Versandungen durch den Gellenstrom der Tiefgang von 3,70 auf 2,40 m begrenzt. Der Ausbau der Ostansteuerung scheint wenigstens nicht betroffen. Am Simulator erfolgt bereits die Passage der künftig größeren Schiffe der Volkswerft.
Was sich international tut, veranschaulichte vorige Woche die Tagung der Lotsenorgansisation der Ostseeanrainer in Klaipeda. Dabei ging es um die Einrichtung einer Transitroute für Tanker durch die gesamte Ostsee mit einzelnen Meldepunkten, berichtete Christian Subklew. Hintergrund: Russland will den Ölexport über seine Häfen weiter erhöhen. Im vergangenen Jahr waren bereits 150 Tanker mit 15 Millionen t Öl in der Ostsee unterwegs, von 90 Millionen Tonnen ist bereits die Rede.
Die für Tanker vorgeschriebene Doppelhülle sei eine Verbesserung, aber reiche nicht aus. Die Qualität der Schiffsführung durch die Besatzung nehme leider ab. Lotsenpflicht wäre daher wünschenswert. Da die Ostee als besonders empfindliches Meeresgebiet eingestuft wurde, wächst die Hoffnung, dass sich etwas tut. Neben Lotsenpflicht wurde u. a. auch über ein spezielles Crewtraining und Haftungsfragen diskutiert.
31.12.2003 Norddeutsche Neueste Nachrichten
Bei der Lotsenbrüderschaft steht ein Wachwechsel ins Haus. Der 2. Ältermann Hubert Pahl geht in den Ruhestand, Andreas Krüger tritt seine Nachfolge an. Vier Lotsanwärter sorgen für eine weitere Verjüngung. Das Lotsaufkommen ging zurück. Wir sprachen mit Lotsenältermann Dr. Christian Subklew.
Seit 34 Jahren ist Hubert Pahl als Seelotse in Rostock tätig. Insgesamt 14
059 Lotsungen hat er seit Februar 1970 in all den Jahren durchgeführt. Die
Performer, die in Rostock Schrott für Dänemark lud, war sein letztes Schiff.
Noch steht aber die Probefahrt der Cap Nelson bevor, ist seine Erfahrung auch
am Simulaltor Anfang Januar noch gefragt, wenn die neuen Lotsanwärter sich mit
dem heimischen Hafenrevier näher vertraut machen. Zum Jahresende aber endet
offiziell bereits sein Dienst, am 26. Januar wird er 65. "Der Tampen wird
weiter durchgereicht", sinniert der gebürtige Stettiner, einstiger
Hochseefischer und langjähriger Werftkapitän, der Ende der 90-er Jahre zum 2.
Ältermann und Geschäftsführer des Lotsbezirkes Rostock gewählt worden war. Sein
Erbe sieht er in guten Händen. Mit Andreas Krüger erlebte er mit der
Überführung der Bohrinsel Stena Don ein besonderes Highlight seiner Tätigkeit
bereits gemeinsam. Hubert Pahl, unter dessen Regie auch die Verholungen des
Traditionsschiffes durchgeführt wurden, war schon 1970 an der Seite von
Bernhard Alm dabei, als der fünfte Frachter der legendären Typ-IV-Serie seinen
festen Liegeplatz in Rostock Schmarl erhielt. Bei nahezu 15 000 Lotsungen stehen
nur vier kleinere Havarien zu Buche. Vor der Ahnengalerie der Älterleute
schüttelt er symbolisch Andreas Krüger (43) die Hand, der seit Oktober 2000 in
der Lotsenbrüderschaft tätig ist und jüngst zum neuen 2. Ältermann gewählt
wurde. Vier Lotsanwärter sind ein weiterer Beleg für die Verjüngung in der
heimischen Lotsenbrüderschaft. Ole Domin, Jörg Falk, Frank Göldner und Michael
Rapp haben interessiert die Schilderungen Hubert Pahls verfolgt. Seit dem 1.
September bereiten sich die Neuen, 35 bis 39 Jahre jung, auf ihre neue Aufgabe
vor. Ab Mai sollen sie, die einst bei der DSR bzw. bei der Hochseefischerei
lernten und zuletzt als Kapitäne bei NSB, Hanseatic Shipping oder der
Forschungsreederei tätig waren, jene Kollegen ersetzen, die 2004 in den Ruhestand
gehen. Vielleicht wird noch ein fünfter Mann geordert, denn nach dem tödlichen
Unfall von Peter Klotz sind nur noch 27 Lotsen im Lotsrevier tätig. Allerdings
ging das Lotsaufkommen 2003 im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück: in
Stralsund um elf Prozent von 1445 auf 1290 Schiffe; in Wismar um 11,5 Prozent
von 1590 auf 1405 Schiffe und in Rostock um zwölf Prozent von 3720 auf 3270
Schiffe. Auch die Zahl der Überseelotsungen ging von 14 auf 12 zurück. Die
größten Schiffe für die Lotsen waren der 90 280 BRZ große und und 294 m lange
Kreuzliner Constellation sowie der 55 695 BRZ große und 249,90 m lange Frachter
Yeoman Bontrup. Die Ursachen für die Rückgänge sind vielschichtig. In Wismar
kamen z. B. mehr größere Schiffe zum Einsatz. In den Lotsbezirken Stralsund
(hier besonders Wolgast) und Rostock schlugen u. a. die rückläufigen
Getreideschiffe zu Buche. Die neue Lotsverordnung mit den Bemessungen für die
Lotsannahmepflicht hatte dagegen kaum größere
Auswirkungen.
Reiner Frank
05.11.2003
Ostsee-Zeitung
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Bessere Bedingungen für Lotsen in Timmendorf |
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Achtmonatiger Umbau kostete fast 140 000 Euro |
Timmendorf
14.07.2003 Leipziger Volkszeitung
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Das große Kapitänspatent ist Voraussetzung für Seelotsen |
Hamburg/Bremerhaven - Das riesige Containerschiff «Ming Green» schiebt sich langsam die Elbe abwärts in Richtung Nordsee. Kurz dahinter folgt ein kleiner Chemietanker. Beide haben etwas gemeinsam, auf der Brücke steht jeweils ein deutscher Seelotse und gibt dem Steuermann Anweisungen für die sichere Fahrt bis zu offenen Meer.«In Deutschland arbeiten etwa 750 Seelotsen», sagt Hein Mehrkens, Vorsitzender der Bundeslotsenkammer in Hamburg. «Sie organisieren sich als Freiberufler in sieben Brüderschaften, die jeweils für bestimmte Seereviere zuständig sind.» Dazu kommen zwei Brüderschaften von Hafenlotsen in Hamburg und Bremerhaven.Wie Mehrkens weist auch Torsten Lorenzen vom Bundesverband der See- und Hafenlotsen in Bremerhaven auf ein Problem hin: «Wir haben Nachwuchsmangel.» Der Weg zum Lotsenberuf ist zeitaufwändig. «Voraussetzung ist die Ausbildung zum Kapitän in der weltweiten Fahrt ohne Einschränkungen in den nautischen Befugnissen», sagt Lorenzen, der früher selbst Schiffsführer auf den Ozeanen war.Lorenzen nennt eine Zeit von etwa zehn Jahren, bis eine Bewerbung für einen Lotsenjob Sinn macht. Davon müssen mindestens 24 Monate als Kapitän oder nautischer Offizier auf See verbracht werden. «Ist ein Bewerber angenommen, gibt es nochmals acht Monate revierbezogene Ausbildung im gewählten Lotsgebiet bis zur "Bestallung".»Außer auf der Elbe sind Seelotsen im Nord-Ostsee-Kanal, auf der Kieler und der Flensburger Förde, auf der Trave vor Lübeck, im Gebiet Wismar/Rostock/Stralsund, sowie auf Weser, Ems und Jade im Einsatz. Neben umfangreichem nautischem Wissen und Erfahrungen mit diversen Schiffstypen sind hervorragende Kenntnisse des Lotsgebietes und gute Kontaktfähigkeit zu den meist ausländischen Seeleuten auf der Brücke die Voraussetzungen.An der Elbe kann ein Schiff, das nicht in angemessenem Tempo fährt, Wellen auslösen, die erst fünf Kilometer hinter dem Kahn an die Ufer spülen, Schäden verursachen und Menschen gefährden. An schönen Sommertagen muss der Lotse besonders nach Badenden Ausschau halten. Auf allen Wasserstraßen muss er durch seine Anweisungen die Schiffe so sicher steuern lassen, dass keine Fehler passieren. Wird ein Chemietanker auf Grund gesetzt, ist die Katastrophe programmiert. Eine derart hohe Verantwortung wird nach dem Kapitänstarif entlohnt. «Dieser liegt derzeit bei 5309 Euro im Monat», sagt Mehrkens.Etwa ein Drittel der deutschen Seelotsen versieht seinen Dienst auf der Elbe, wo die Berufstradition bis in das Mittelalter zurückreicht. Vom Hafen in Hamburg bis zur 80 Seemeilen entfernten Mündung erstreckt sich das Revier, in dem alle Schiffskapitäne die Hilfe der Lotsen in Anspruch nehmen müssen. «Die Untiefen des Flusses verändern sich ständig», beschreibt Udo Köllner, zweiter Mann der Lotsenbrüderschaft Elbe, die Schwierigkeiten beim Navigieren.Geregelte Dienstzeiten gibt es für Lotsen nicht. «Wir arbeiten wie der Taxistand am Hauptbahnhof», sagt Mehrkens. «Alle Lotsen einer Brüderschaft, die nicht krank gemeldet, in Urlaub oder für Sonderaufgaben freigestellt sind, stehen auf einer Einsatzliste.» Der Erstnotierte erhält den ersten Auftrag des Tages, begleitet das Schiff und reiht sich am Ende wieder ein. Herrscht viel Verkehr, ist er rasch wieder dran.Dieser Rhythmus erfordert viel Flexibilität. Die Wartezeit für den nächsten Einsatz - 10 bis 36 Stunden sind Köllner zufolge der Durchschnitt - kann der Pilot zu Hause verbringen. Er muss aber stets erreichbar sein. Da die Schiffsführungen ihre Aufträge mehrere Stunden im Voraus einreichen müssen, bleibt immerhin genügend Zeit, an die Arbeitsstätte zu kommen.Die Lotsentätigkeit selbst ist nicht direkt anstrengend, doch sie erfordert eine gute körperliche Kondition. Kleine Boote bringen die Männer zum Schiff ihres Einsatzes, das für die Aufnahme des Lotsen nicht stoppt. «Dann gilt es, bei Fahrt die Leiter hochzukrabbeln», berichtet Mehrkens aus dem Berufsalltag. «Bei großen Schiffen sind das bis zu sechs Meter Höhenunterschied.» Wind, Regen und Wellengang gehören zum Alltag - «gefahrengeneigt» heißt das auf Amtsdeutsch.Der Beruf steht zwar auch Frauen offen, doch in den Brüderschaften sind keine Lotsinnen anzutreffen. «Wir haben nichts gegen Frauen, sie sind uns herzlich willkommen», so Mehrkens. Er nennt die Niederlande, die USA und Finnland als Länder, in denen auch weibliche Lotsen über den Kurs von Schiffen bestimmen. Generell blicken die Brüderschaften inzwischen auch über Staatsgrenzen hinweg. Bewerber und Bewerberinnen aus anderen EU-Ländern können bei entsprechender Ausbildung und ausreichenden Deutschkenntnissen ebenfalls ihre Bestallung bekommen.
K. P.
12.12.2002
Ostsee-Zeitung
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Im Schlauchboot auf Patrouille |
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Überalterte Riesentanker bedrohen das Ökosytem der Ostsee. Das jedenfalls glaubt Greenpeace. An der Kadetrinne errichteten die Umweltschützer einen Kontrollpunkt. Rostock (OZ) Sie sind wieder da. Die Greenpeace-Schlauchboote. Bemannt mit Umweltschützern in gelbem Regenzeug flitzen sie über die Ostsee – fünf Seemeilen vor Rostock. Ihr Job: Die Kadetrinne kontrollieren, die meist befahrene Wasserstraße der Ostsee. „Die Kadetrinne ist viel zu unsicher“, begründet Greenpeace-Aktionsleiter Christian Bussau (40) aus Hamburg die Aktion. „Wir wollen nicht länger tatenlos zusehen.“Bussau steht an Deck des ehemaligen Feuerschiffs „Sunthorice“, das die Umweltorganisation als Mutterschiff für den Einsatz gechartert hat. Vier Wochen sollen die Kontrollen dauern, bis zum 11. Januar. Doch warum gerade jetzt? „Wegen des Tankerunglücks vor der spanischen Küste“, erläutert Bussau. Tote Seevögel, verseuchte Strände – verursacht durch den schrottreifen Supertanker „Prestige“. Und das, so Bussau, könne auch bei uns passieren. Jederzeit. „Im Schnitt einmal täglich passiert so eine tickende Zeitbombe wie die Prestige die Ostsee“, rechnet der Meeresschützer vor. 8000 Tanker pro Jahr durchfahren die Kadetrinne. Rund 800 sind Supertanker mit einem Fassungsvermögen von 75 000 Tonnen. „400 davon sind 25 Jahre alte Schiffe, die nicht einmal einen doppelwandigen Rumpf haben. Wie die Prestige.“ Um Unfällen vorzubeugen, wollen die Greenpeace-Leute jedes Schiff, das Fahrfehler macht oder nicht den modernen Sicherheitsstandards entspricht, registieren. „Wenn wir eine schwimmende Zeitbombe wie die Prestige sehen, werden wir den Rumpf mit Transparenten behängen oder mit Farbe besprühen.“ Der Platz, an dem die „Sunthorice“ ankert, ist mit Bedacht gewählt. Genau an dieser Stelle gab es in den letzten zehn Jahren 22 Unfälle. Nur knapp zehn Meter tief ist die Ostsee hier, unmittelbar am Rand der Fahrrinne. Zu wenig für große Tanker. „Die haben ja bis zu 15 Meter Tiefgang“, verdeutlicht Bussau. „Wer hier nicht Kurs hält, fährt sich fest.“ Davon kann Lotsenkapitän Christian Subklew (48) ein Lied singen. Gemeinsam mit den Kieler Kollegen unterstützt die Lotsenbrüderschaft Wismar/Rostock/Stralsund den Greenpeace-Einsatz. „Wir Lotsen haben es übernommen, die Schiffe per Radar und an der elektronischen Netzkarte zu überwachen.“ Wie nötig das ist, zeigte Greenpeace schon im vergangenen Jahr. 200 Verstöße gegen die Fahrsicherheit wurden damals festgestellt. „Viele Schiffe fahren heute ja unter ausländischen Billigflaggen wie Liberia“, so Subklew. Folge: Die Schiffsführer kennen sich nicht aus, verlieren die Orientierung. Oft sind sie nur schlecht ausgebildet. „Sogar Geisterfahrer sind unterwegs, ähnlich wie auf der Autobahn.“ Unvergessen: Der Zusammenstoß der „Baltic Carrier“, die im März 2001 eine Ölkatastrophe an der dänischen Küste verursachte. „Nur weil der Wind ausnahmsweise in die andere Richtung blies, blieb die mecklenburgische Küste verschont“, erinnert Subklew. „Normal ist Westwind. Das heißt, das Öl würde in Richtung unserer Küste getrieben. Auch die Strömung fließt in Richtung M-V.“ Nach dem Unglück wurde zwar die Betonnung verändert, um die Fahrrinne besser zu kennzeichnen. Für Subklew jedoch ein Schuss in den Ofen. „Die Kennzeichnung ist so kompliziert, dass unerfahrene Schiffsführer nachts nur noch ein Lichtermeer sehen.“ Beim Versuch auszuweichen laufen sie unweigerlich auf Grund. Gerne würden die Lotsen deshalb gefährdete Schiffe durch die Kadetrinne führen. „Das muss für Boote mit mehr als neun Metern Tiefgang unbedingt zur Pflicht gemacht werden“, fordert Subklew. „Darauf pochen wir seit Jahren.“ 08.11.2002 Ostsee-Zeitung
Wismar Beide Seiten versprechen sich mit der Vereinbarung positive Impulse für die Nachwuchsgewinnung und Weiterbildung. Die Lotsenbrüderschaft Wismar/Rostock/Stralsund ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zur Durchführung des Lotsdienstes. Ihr Lotsrevier erstreckt sich von der Wismarbucht bis zur polnischen Grenze. Am Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar werden nautische und technische Wachoffiziere ausgebildet, im Studiengang Nautik/Seeverkehr werden Studenten zum Erwerb der Befähigung zum nautischen Wachoffizier geführt, die von dieser Kooperation besonderen Nutzen haben werden.
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07.08.2002 Norddeutsche
Neueste Nachrichten
Die Rostocker Lotsen hatten gestern interessanten Besuch. Der Kanadier
Michael Pouliot (62), der bisherige Präsident der Welt-Lotsenvereinigung und
Präsident der kanadischen Lotsen, schaute vorbei. Nach dem 16. Weltkongress der
IMPA (International Maritime Pilot's Association) in Hamburg ist er in
deutschen Landen auf Entdeckungstour und will sich nach einer Stippvisite im
Ostseebad Binz auch die Hanse-Sail nicht entgehen lassen. In Hamburg hat er für
die IMPA nicht mehr kandidiert und den Staffelstab für das Ehrenamt
weitergegeben. Die über 200 Lotsen aus 33 Ländern wählten vergangenen Freitag
Hein Mehrkens (58), den Vorsitzenden der deutschen Bundeslotsenkammer, für die
nächsten vier Jahre zu ihrem neuen Präsidenten. Der neue IMPA-Präsident gilt
als ein entschiedener Verfechter der Unabhängigkeit von Lotsendiensten. Die
Lotsen bevorzugen weltweit ihren freien Status, um ihre Tätigkeit unbeeinflusst
von wirtschaftlichen Drucken ausüben zu können, was am besten in einem
staatlich regulierten System möglich sei, konstatierte Dr. Christian Subklew,
der Ältermann der heimischen Lotsenbrüderschaft Wismar/Rostock/Stralsund
(WiRoSt). Er informierte gestern den Beirat der Brüderschaft über den Verlauf
des IMPA-Kongresses. Als sollten die Erkenntnisse im internationalen Lotswesen
belegt werden, strandete vorige Woche der mit 62 000 t Kohle beladene
Bulkcarrier Doric Chariot auf dem Barrier Riff in Australien. Das Schiff sei
mit einem privaten Lotsen besetzt gewesen, dessen Qualifikation offenbar nicht
ausreichend war. Die Beschlüsse der IMPA zielen deshalb u. a. darauf, den
Standard der Qualifikation der Lotsausbildung zu wahren. In diesem Sinne würde
auch das Simulator-Training für die Lotsausbildung genutzt. Zwar würden
verstärkt auch immer modernere Navigationsmittel eingesetzt. Es gelte aber
nicht nur ins Display, sondern auch aus dem Fenster zu gucken, merkte Subklew
an. Ein Probebetrieb auf der Außenelbe mit der Lotsberatung an Land hatte sich
nicht bewährt. Der nächste IMPA-Kongress findet in zwei Jahren in Istanbul
statt, in vier Jahren wird dann nach Havanna geladen. Den Lotsen stellten sich
gestern zwei Neulinge vor. Die Aspiranten Jens Schwarze und Stefan Herrmann
haben bei Leonhardt & Blumberg bzw. Hamburg Süd/Columbia Ship als Kapitäne
Kühl- und Containerschiffe geführt und werden gemeinsam mit Marco Meerbach die
Brüderschaft weiter verjüngen, zu der gegenwärtig 28 bis 30 Lotsen gehören.
Zunächst aber steht ihnen eine 8-monatige Ausbildung bevor. Das
Leistungsbarometer der Lotsen zeigt bis Ende Juli im Lotsbezirk Wismar im
Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 1251 auf 917 Lotsungen. Im Lotsbezirk
Rostock blieb mit 2125 gegenüber 2216 Lotsungen im Vorjahr das Aufkommen
annähernd stabil, während im Lotsbezirk Stralsund einen Anstieg von 697 auf 844
zu verzeichnen ist. Reiner Frank
Schiffe mit mehr als 40 000 tdw Tragfähigkeit und Tiefgängen ab elf Metern sollten künftig durch eine Meldekette, das sogenanntete "ship reporting system" (SHIPPOS), auf ihrem Weg durch die Ostsee begleitet werden. Das empfahl die Baltic Pilotage Authorites Commission (BPAC) auf ihrer jüngsten Tagung in Gdynia.
Das Gremium war Ende der 70-iger Jahre gegründet worden, um für die Ostsee ein einheitliches Übersee-Lotssystem zu organisieren. Erklärte Zielstellungen: Mindestanforderungen an die Schifffahrt, Ausbildungsstandards und die Organisation der Überseelotsungen. Der BPAC gehören die Lotsverwaltungen an der Ostseeküste an. An der Zusammenkunft in Gdynia nahmen etwa 40 Vertreter aller Ostseeanrainer und Norwegens teil, so auch Dr. Christian Subklew, der Ältermann der heimischen Lotsenbrüderschaft WIROST.
Rund 55 000 Schiffe kommen jährlich durch den Sund und den Großen Belt in die Ostsee. Darunter 2200 Tanker und 2520 Bulkcarrier in der Größe um 50 000 Tonnen und mehr. Vor dem Hintergrund, dass künftig allein 30 Millionen Tonnen Öl aus den russischen Häfen wie Primorsk und Muja exportiert werden, will man der wachsenden Gefährdung der Umwelt entgegenwirken.
Durch die Meldekette soll der Ölstrom vom Abgangshafen bis zum Ausgang der Ostsee, überwacht werden. Und auch der Transport anderer Gefahrgüter soll transparenter werden. Dabei wurde der Schiffahrtsweg durch die Ostsee in Teiletappen von Finnland, Gotland, Aland-Inseln, Bornholm, Kadetrinne bis Langeland (Baltic West) gegliedert. Lotsen aus Rostock begleiten Schiffe gewöhnlich bis Spodsbjerg. Die Statistik zeigt, dass das Gros der Überseelotsungen in der Ostssee durch die Dänen erfolgt. Mit 24 Überseelotsungen folgt Deutschland an zweiter Stelle. Davon realisiert die heimische Brüderschaft allein 19. Man könne aber durchaus mehr leisten, betonen Christian Subklew und sein Stellvertreter Hubert Pahl. Von den Kosten sei man sogar weit günstiger als die Dänen, was insbesondere die ganzseitige Reeder-Sicht zeige. Der Haken sei, dass bislang nur vor Ort kalkuliert werde...
Insgesamt entspricht das Lotsaufkommen im Lotsrevier mit 2715 Lotsungen von
Januar bis Ende Mai etwa den Ergebnissen des Vorjahres. Dabei blieben die
Lotsbezirke Rostock mit 1492 und Stralsund mit 563 Lotsungen relativ konstant,
während Wismar mit 660 Lotsberatungen leicht rückläufig ist. 29 Lotsen gehören
zur Zeit der heimischen Brüderschaft WIROST an, vier Neue verjüngten die Crew.
Am 1. September beginnt ein weiterer Lotsanwärter seine Tätigkeit. refra